Kreuz, Hohes (Venedigergruppe)

Venedigergruppe, Virgental, Prägraten, Osttirol. Aufstieg 1700 Hm.

P Ströden im hintersten Virgental, knapp 5 km westl. von Prägraten, 15 km von Matrei - Islitzer Alm - Umbalfälle - Umbaltal – Clarahütte – Steg – Mittlerer Tredeber mit dem „Theo Brandstätter Weg“ – Achselkörle – ONO-Grat. Abstieg auf selbiger Route.

ÜbersichtKarteeine halbe Runde ums Hohe Kreuz gegen den Uhrzeigersinn: von SO (Rosenspitze); wir kommen vom ONO-Grat rechtsNormalanstieg von Nordosten aus dem Umbaltal (Clarahütte)unser Gipfel von Norden (Iselquelle)

Gleich 15 Dreitausender umringen die fein bewirtschaftete Clarahütte, die aufgrund des weithin bekannten Iseltrails meist ausgebucht, aber dennoch gemütlich geblieben ist. Das Hohe Kreuz ist zwar der Hütte am nächsten gelegen, wurde nach seiner Erstbesteigung 1904 (Hechenbleikner/Berger) aber lange Zeit links liegengelassen. Die Errichtung eines Gipfelkreuzes samt millimetergenau eingerichtetem Spiegel, welcher alljährlich zur Mittagsstunde der Wintersonnenwende einen Sonnenstrahl nach Prägraten reflektiert, riss den gewaltigen Koloss schließlich aus dem Dornröschenschlaf: Die spärlichen Steigspuren durch die steilen Hänge werden immer deutlicher und der Hüttenwirt sorgt für die notwendigsten Markierungspunkte. Dennoch sollte man die Besteigung nicht auf die leichte Schulter nehmen; schon die Erstbegeher erzählten von „einigen Kletterstellen in talgartigem Glimmerschiefer“ und die Felsqualität verbessert sich in Zeiten wie diesen eher auch nicht. Ganz gut charakterisiert Georg Zlöbl in seinen Dreitausendern Osttirols (s. Literatur) die Erfordernisse:
… kein leichtes Unterfangen, Kondition, Trittsicherheit und Bergerfahrung sind für den Gipfelgang gefragt … Beim Steilaufschwung zum Gipfelgrat kann bei den teils erdigen Felsstufen das Eisgerät ebenfalls von Nutzen sein. Dort ist es auch nicht falsch, weniger Geübte mit einem Seil zu sichern …
Die Gipfelschau ist dann allerdings großartig und wieder zurück auf der Hütte schmeckt das Bier besonders gut.

morgendlicher Blick von der Clarahütte zur Rötspitzeauf schmalem Steg überqueren wir die Isel und streben links hinauf ...... dem Theo Brandstätter Weg zu; Vorsicht: kein Steig für den Durchschnittswanderer!die Steigspuren führen teils steil und erdig durch die abschüssigen Grasflanken zur Höhe ...... und sind nicht immer so gut erkennbar wie hier; wo die Isel scheinbar endet, stürzt sie mit den Umbalfällen hinunter ins VirgentalEdelweiß am Wegauf etwa 2500 m, wo das Gras langsam schütter wird, ...... gabelt sich der Weg: geradeaus weiter auf die leichtere Tredeberspitze, ...... links hinüber ins Achselkörleim Nordosten an der Dreiherrenspitze das Dreiländereck Südtirol-Salzburg-Osttirolschon tief unter uns die Clarahütte mit einem halben Dutzend weiterer Dreitausender; in Bildmitte links aufwärts beginnt die „Alpenkönigroute“ - abenteuerliche Direktverbindung zur Essener-Rostocker-Hütte (s. Archiv Wiesbauerspitze)das Achselkörle ist eine grasige Mulde parallel zum ONO-Grat des Hohen Kreuz, auf den wir weiter oben hinausqueren werdenMarianna und Reinhold im Achselkörledie „Achsel“ ist eine Verflachung im ONO-Grat unseres Berges; jenseits des Dabertals der Großschoberoberhalb der Bildmitte suchen wir uns den günstigsten Durchschlupf hinaus auf den Grat, der zunächst zum Vorgipfel leitetdas Kar wird immer felsiger, ...... über eine kurze Reibungsstelle ...... tasten wir uns vorsichtig in die heikle GratflankeReinhold auf schmaler Grasrampe entlang des Grates; etwas vorteilhafter kommt man am Grat selbst weiterBlick aus dem Schatten des Vorgipfels hinüber auf Daber- und Rötspitze; links hinauf ...... nur mehr wenige Meter auf den Vorgipfel, rechts hinten schon das GipfelkreuzVorgipfel gegen Norden, von hier ...... ein netter Gratrücken zum Gipfelnur die letzten Meter zum Kreuz werden wieder etwas steilerReinhold am Gipfel, bei genauerem Hinsehen erkennt man den schräg gestellten Spiegel, der am 21. Dezember zu Mittag einen Sonnenstrahl nach Prägraten reflektiertRückblick gegen Osten auf den flachen Gipfelgratrechts anschließend Lasörling- und Panargenkammim Süden ganz hinten noch die Rieserfernergruppeder lange Grat  im Südwesten ab dem Törlkopf trägt mehrere Erhebungen über 3000 m: sie werden mit Ausnahme der Rotenmannköpfe (rechts) nicht als selbständige Gipfel gewertet, da sie die geforderten 30 m Höhenunterschied zur nächsten Scharte nicht erfüllender Grat („Umbalkamm“) setzt sich rechts (nördlich) fort und kulminiert in Daberspitze und Rötspitzenoch weiter rechts entspringt am Fuß der Dreiherrnspitze aus dem Gletschertor des Umbalkees-Abbruchs die Isel (s. Archiv Iseltrail)den Abstieg beginnen wir mit berauschendem Blick auf die zentrale Venedigergruppehinüber zum Vorgipfel und dann den steilen, erdigen Spuren direkt am Grat hinunterin Sichtweite der Clarahütte ...... ein letzter Blick zum Umbaltalschlusswie bei den Hobbits hat man wegen der extremen Lawinengefahr die Hütte in den Hang gebautbevor wir die Clarahütte erreichen, gilt es noch ein kleines Abenteuer zu bestehenein Teil des Stegs wurde vom letzten Unwetter weggespült; da die Isel als Gletscherfluss am Nachmittag wesentlich mehr Wasser führt als in der Früh, ...... muss man sich unter Umständen schon etwas einfallen lassen, um endlich zum verdienten Bier zu kommen
(12.08.2026)

Literatur: Peterka: AV-Führer Venedigergruppe. München: Rother.
Zlöbl: Die Dreitausender Osttirols. Lienz-Tristach: Verlag Grafik Zloebl 2007.

 

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